Snubbelstenar

Snubbelstenar

Schweden hat seine ersten Stolpersteine (Snubbelstenar) bekommen. Im Juni wurden sie in Stockholm an den letzten Wohnorten der drei deutschen Juden Erich Holewa, Hans Eduard Szybilski und Curt Moses verlegt. Gleichzeitig wurden in Kopenhagen auch die ersten Stolpersteine in Dänemark eingeweiht, in Finnland gibt es sie bereits seit 2018 und in Norwegen seit 2012. Damit gibt es jetzt mehr als 70 000 solcher Gedenktafeln in 26 Ländern. Die Stadt Stockholm hatte jahrelang diese vom deutschen Künstler Gunter Demnig entworfenen Gedenksteine abgelehnt. In Schweden habe es im Zweiten Weltkrieg keine Verfolgung von Minderheiten gegeben, Fußgänger könnten über diese Steine stolpern, Rollstuhlfahrer behindert und die Steine als zu „erschreckend“ erlebt werden. Die 2003 gegründete Behörde „Forum för Levande Historia“, die den Auftrag hat, über den Holocaust zu informieren, konnte sich jetzt als einer der Initiatoren dieses Projektes durchsetzen. Sie weist darauf hin, dass Schweden viele Asylanträge verfolgter Juden abgelehnt hat und somit mitverantwortlich für ihre Ermordung sei. Zudem seien Stolpersteine nur ein visuelles Stolpern, damit dieser dunkle Teil der Geschichte nicht vergessen wird. Dies sei bitter nötig, denn auch in Schweden seien die antisemitischen Tendenzen sehr beunruhigend. So habe es Brandanschläge auf Wohnhäuser von Juden und antisemitische Äußerungen seitens einiger Behörden gegeben. Für Schlagzeilen sorgte jüngst die Enthüllung, dass jüdische Ärzte am international angesehenen Karolinska-Universitätskrankenhaus in Stockholm jahrelang von ihrem Vorgesetzten gemobbt wurden. Auch der vor kurzem erfolgte Freispruch eines 16-jährigen Schülers vom Vorwurf der Volksverhetzung aufgrund eines Hitlergrußes erregte großes Aufsehen. Das Gericht folgte der Aussage des Schülers, nichts über die Bedeutung dieses Grußes gewusst zu haben. Regierungschef Stefan Löfven betonte in seiner diesjährigen Holocaust-Gedenkrede, dass vieles getan werden müsse, um dem Vergessen entgegenzuwirken. So sei ein neues Holocaust-Museum geplant und schwedischen Jugendlichen soll ermöglicht werden, europäische Holocaust-Gedenkstätten zu besuchen. Zudem richte Schweden im nächsten Jahr anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz eine internationale Konferenz gegen Antisemitismus in Malmö aus. (Suzanne Forsström)

By |2019-09-24T10:43:14+00:00September 24th, 2019|Journalismus|0 Comments

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